Geschichte
Die Reben von heute sind das Ergebnis
eines Jahrtausende alten Ausleseprozesses. Die am besten schmeckenden
und für den Weinausbau am meisten geeigneten Wildreben
wurden zur 'Vitis vinifera' kultiviert. Im Zuge der Eroberung
germanischer Gebiete durch die Römer erreichte der Weinbau
vor etwa 2000 Jahren auch den deutschsprachigen Raum. Die Klöster
waren Zentren der Weinkultur; Wein ein Volksgetränk. Für
das Mittelalter ist eine Ausbreitung des Weinbaus auf nahezu
Gesamtdeutschland belegt.
Noch im vorletzten Jahrhundert stand in vielen Weinbergen der "gemischte Satz",
eine Kombination mehrerer Rebsorten. Im ausgehenden 19. Jahrhundert brachte
die Reblauskatastrophe den Weinbau nahezu zum Erliegen. Viele gebietstypische
Sorten verschwanden. Mit Pfropfreben auf resistenten amerikanischen Wurzeln
- diese wurden später zwingend vorgeschrieben - wurde um die Jahrhundertwende
ein Neuanfang gemacht. Durch die Rebenzüchtung entstand ein ausgewähltes
Sortiment von Standardsorten, die heute den deutschen Weinbau im wesentlichen
ausmachen. Anschaulich zeigen verschiedenen Weinbaumuseen in den Anbaugebieten
die Weinhistorie. Etwa das Weinmuseum in Speyer.

Klima & Witterung
Deutschland zählt zu den nördlichsten Weinbauländern der Welt.
Dass hier überhaupt Weinbau möglich ist, verdanken die deutschen Winzer
in erster Linie dem warmen Golfstrom, der das Klima Westeuropas begünstigt.
Hierzulande nehmen die Regenfälle zur Zeit der Traubenreife ab, bei den
südlichen Nachbarn steigen sie zur Erntezeit stark an. Diese Klimafaktoren
haben für den deutschen Wein ganz spezielle Auswirkungen. Die insbesondere
für Weißweine charakteristischen fruchtigen Säuren bilden und
erhalten sich infolge der mäßig warmen Sommer, der günstigen
Niederschlagsmengen während der Vegetationszeit und der langsam verlaufenden
Beerenreife. Bei der starken Klimaabhängigkeit ist es leicht nachvollziehbar,
dass die einzelnen Jahrgänge quantitativ und qualitativ stark variieren.
Dies sind die klimatischen Mindestanforderungen der Rebe:
- 1.300 Stunden Sonnenschein pro Jahr
- eine Durchschnittstemperatur von mindestens 15° Celsius während der Rebblüte und 18° Celsius
während der Vegetationszeit
- jährliche Niederschläge von mindestens 400 bis 500 mm/qm

Bodenarten
Weinbau wird in Deutschland auf sehr verschiedenen Bodenarten
betrieben. Die Rebstandorte weisen in den verschiedenen Tiefen sehr unterschiedliche
Bodenarten und Bodenformationen auf, die gemeinsam neben dem Klima für die
unterschiedlichen Standortbedingungen verantwortlich sind. Nicht jede Bodenart
eignet sich für jede Rebsorte. Die unterschiedlichen Bodenarten tragen mit
dazu bei, dass deutsche Weine nicht "uniform" sind, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher
Weine vorzufinden sind.

Weinberg
Das ganze Jahr über fallen im Weinberg unterschiedliche
Arbeiten für den Winzer an: Reberziehung, Rebschnitt, Bodenpflege, Laubarbeiten,
Ausdünnung und möglichst selektive Traubenlese. Bereits im Januar oder
Februar wird mit dem Rebschnitt altes Holz entfernt. Mit diesem Arbeitsschritt
wird der Ertrag und damit auch die spätere Weinqualität entsprechend
beeinflusst. Anzahl und Länge der Fruchtruten mit ihren Trieben spielen
dabei eine wichtige Rolle. Qualitätsbewusste Winzer reduzieren in der Regel
den Rebstock auf zwei kürzere oder eine längere Rute. Viele Weinbauern
haben erkannt, dass in Zeiten von weltweiter Überproduktion nur derjenige
gute Absatzchancen hat, der schon im Weinbau auf Qualität setzt.

Weinarten
Weißwein darf in Deutschland ausschließlich
aus Weißweintrauben und Rotwein nur aus Rotweintrauben hergestellt werden.
Es gibt daneben aber einige Abstufungen zwischen Rot und Weiß. Diese anderen
Weinarten beziehen sich auf die Farbe des Weines oder die Art der Produktion:
- Weißwein: aus weißen Trauben
- Rotwein: aus Rotweintrauben hergestellter Wein, der aus
rotgekeltertem Most gewonnen wird. Der Farbstoff wird durch Maischegärung
oder -erhitzung gewonnen.
- Roséwein: aus roten Trauben, deren Most sofort
von den Beerenhäuten getrennt wurde (deshalb rosé- oder lachsfarben).
- Weißherbst: Roséwein, der zu mindestens 95
% aus einer einzigen Rotweinsorte bestehen darf und ein Qualitätswein
b.A. oder Qualitätswein mit Prädikat sein muss.
- Rotling/Schiller/Badisch Rotgold: entsteht durch Mischung
von Weißwein- und Rotweintrauben oder deren Maische, die gemeinsam abgepresst
werden müssen (Farbe wie Weißherbst oder Roséwein, blassrot
bis hellrötlich). Schillerwein ist ein Rotling aus Württemberg, der
ein Qualitäts- oder Prädikatswein sein muss. Badisch Rotgold ist
ein Rotling aus Baden, der durch Mischung der Rebsorten Grauburgunder und Spätburgunder
entsteht, muss ein Qualitäts- oder Prädikatswein sein.

Weinlagerung
Für den kleinen Weinvorrat zu Hause brauchen
Sie nicht unbedingt den "idealen" Weinkeller, aber er sollte keine zu hohen
Temperaturschwankungen aufweisen und frei sein von Fremdgerüchen. Nebenbei:
Temperaturen zwischen 8 und 12 Grad sind für die weitere Entwicklung
in der Flasche geradezu ldealbedingungen. Auch in Ihrer Wohnung können
Sie deutsche Weine problemlos einige Monate lagern. Dazu brauchen Sie nur
ein bisschen Platz und ein Weinregal, das Sie fast überall für wenig
Geld kaufen können. Zwei Punkte sollten Sie dabei beachten: Verkorkte
Weinflaschen müssen liegen, damit der Korken immer vom Wein umspült
wird und nicht austrocknen kann. Und der Wein sollte am kühlsten und
dunkelsten Platz der Wohnung gelagert werden. Erfreulicherweise sind die deutschen
Weine dank der heutigen Kellerwirtschaft nicht mehr so empfindlich wie früher.
So schaden auch etwas höhere Temperaturen keineswegs, wenn man auf die
eine oder andere Grundregel achtet.
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